The Rock (Karlsruhe)
Das erste, was einem auffällt, wenn man die Halle betritt, ist, dass es ungewöhnlich hell ist. Zu verdanken ist die der Tatsache, dass die alte Industriehalle, in der das Kletterzentrum “The Rock” untergebracht ist, soviel Platz bietet, dass nicht alle Fenster zugebaut werden mussten. Der viele Platz bringt jedoch auch Nachteile mit sich. Der wichtigste macht sich an diesem kalten Wintermorgen ebenfalls schnell bemerkbar: Es ist eisig kalt in der Halle. Frühaufstehern sollten sich deshalb warm anziehen, wer später kommt, kann aber durchaus auch im T-Shirt klettern.
Hoch hinaus…
Die Kletterwand teilt sich in drei verschieden hohe Bereiche, von denen der höchste stattliche 16 Meter mißt. Hier finden sich sowohl Toprope-Routen im gehobenen 5er und im 6er Bereich als auch Vorstiegsrouten, an denen sich auch Profis abmühen können, denn hier reicht die Bandbreite bis zum 10ten Grad.
Hinter der hohen Wand verbirgt sich eine Art Kammer, in der die neue Schulungswand montiert wurde. Diese ist “nur” 9 Meter hoch, bietet dafür aber eine reiche Auswahl in den hallenüblichen Schwierigkeiten von 4 bis 7. Hier wurde offensichtlich eine andere Wandtechnik verwendet als in der üblichen Halle, was sich leider in der mangelnden Reibung der Wand negativ bemerkbar macht. Dadurch beschränken sich die Trittmöglichkeiten auf die aufgeschraubten Griffe, was insbesondere bei einer Schulungswand doch etwas enttäuscht. Eine gute Tritttechnik zu lernen ist an dieser Wand sicher eine besondere Herausforderung.
Der dritte Wandbereich entschädigt dafür mit einer gut strukturierten Oberfläche und abwegslungsreichen Routen, die sowohl Überhänge als auch einen Hauch von Plattenklettern bieten. Die Länge der Routen variiert stark. Einige sind schon vorbei, bevor man richtig gestartet ist, während andere schon ein bisschen Ausdauer verlangen.
Bouldern
Auf einer Empore über den Umkleidekabinen befindet sich ein großer Boulderbereich, der von der Senkrechten bis zur Waagrechten eigentlich alles bietet, was der Gelegenheitsboulderer so braucht. Dazu zählen erfreulicherweise auch vordefinierte Boulder in den gängisten Schwierigkeitsgraden, wobei man die Bewertungen durchaus ernst nehmen sollte. Der weniger Geübte wird sich sonst öfter mal fragen, ob in den Bouldern nicht ein paar Tritte oder Griffe vergessen wurden. Die Verwirrung könnte natürlich auch daher kommen, dass es in manchen Hallen üblich ist, nur die Griffe vorzugeben, während in anderen Griffe und Tritte definiert sind. Der sparsame Schwabe, der sich auch mal ins Badische traut, wird sich darüber freuen, dass er hier kaum eigenes Magnesia zu verschwenden braucht, da sich selbiges sowohl an den Griffen als auch am Boden reichlich findet. Aber als Boulderer sollte man ja eh immer eine Zahnbürste zum Griffe putzen dabei haben. Wer sich hier nicht genügend gefordert fühlt, kann sich aber auch noch am Fuß der Wettkampfwand austoben, wo nicht nur die schwierigsten Kletterrouten starten, sondern auch einige Boulderprobleme im deutlich gehobenen Bereich angesiedelt sind.
Zu guter Letzt kann man sich noch an der Theke ein wenig Stärkung holen (oder Mut antrinken, je nachdem, was man dringender braucht). Da man von hier aus fast die ganze Halle im Blick hat, kann man sich derweil in Ruhe überlegen, welche Route man als nächstes angehen will.
Fazit
Eine ausgesprochen schön gestaltete Halle, die mit abwechslungsreichen Routen und guter Technik vollauf überzeugt. Da lohnt es sich, auch mal eine längere Fahrt auf sich zu nehmen. Auch aufs Dachklettern muss man inzwischen nicht mehr verzichten, da beim letzten Umbau auch diese Lücke im Angebot geschlossen wurde.