Kletterarena (Heilbronn)

Eigentlich ist sie ja nicht schwer zu finden — wenn man mal weiss, wo sie ist. Zum Glück scheint der Pförtner des EnBW-Kraftwerks die Frage nach der Kletterarena schon gewöhnt zu sein und kurz darauf betreten wir endlich die Halle. Nach dem Ausfüllen der üblichen Erklärung — das Angebot vorher einen Blick auf die Wand zu werfen, lehnen wir angesichts der längeren Anfahrt dankend ab — werden wir zu den Umkleideräumen begleitet. Keine Frage, über den Service kann man sich hier wahrlich nicht beklagen. Die Räumlichkeiten selbst haben zwar den eher rustikalen Charme, den so eine ehemalige Fabrikhalle eben bietet, sind dafür aber sehr sauber. Wer seine (Wert-)Sachen einschliessen möchte nimmt sich übrigens am besten am Empfang gleich ein Vorhängeschloss mit und spart sich den doppelten Weg.

Bouldern für Fortgeschrittene

Kletterarena - BoulderbereichAngesichts der beeindruckenden Höhe der Wand beschließen wir, uns erstmal im Boulderbereich aufzuwärmen. Hier folgt dann auch prompt die erste Ernüchterung. Nicht etwa, daß der Boulderbereich zu klein oder zu voll wäre, ganz im Gegenteil. So einen liebevoll modellierten Block findet man so schnell nicht nochmal. Dummerweise scheint man sich jedoch beim Schrauben voll und ganz auf die Profis konzentriert und darüber vergessen zu haben, ein paar einfache Abschnitte anzubieten.

Aber da gibt es ja noch den im September 2004 umgezogenen gemässigten Boulderbereich. Hier finden sich grössere fingerfreundliche Griffe, so daß sich auch seinem Können angemessene Probleme basteln kann, wer nicht Klem Loskot heisst.

Am bisherigen Standort besagter Bouldersektion wurde die Kletterhöhe auf circa acht Meter erhöht, und die resultierende neue Kletterwand mit Routen hauptsächlich niedrigerer Grade versehen. Bei unserem Besuch waren noch keine Bewertungsvorschläge vorhanden, aber unserer eigenen Einschätzung nach sollte das Spektrum so von 3 bis 7 reichen. Praktisch alle Routen müssen im Vorstieg begangen werden.

Beeindruckende Höhen….

Kletterarena - Senkrechte hohe WandNach einer kurzen Pause wagen wir uns dann an die eigentliche Herausforderung, denn die 7m hohe Schulungswand lassen wir erst mal links liegen. Die 19 Meter hohe Hauptwand unterteilt sich in drei Abschnitte, wovon einer senkrecht ist, während die anderen beiden mehr oder stark überhängen. Am senkrechten Teil findet sich auch eine Route, die für den Einstieg geeignet scheint, sympathischerweise mit der Möglichkeit, auf der halben Höhe “ordentlich” abzubrechen, da hier ein zusätzlicher Umlenker montiert ist. Insgesamt bietet die hohe Wand ab 4+ praktisch in jeder Schwierigkeit eine passende Route, allerdings ist die Auswahl innerhalb eines Schwierigkeitsgrads eher beschränkt. Der Schwerpunkt scheint irgendwo zwischen 6 und 7 zu liegen, wobei mittlerweile ein guter Teil auch per Toprope begangen werden kann. Und insbesondere die unteren Grade scheinen doch eher unterbewertet zu sein, zumindest kamen mir einige 5er nicht wesentlich leichter vor als die 6er. Schön ist nebenbei bemerkt die Tatsache, daß alle Toprope-Touren auch im Vorstieg begangen werden können: Neben den Toprope-Umlenkern findet sich ein weiterer für den glücklich am Ziel angelangten Vorsteiger. So kann man theoretisch sogar seine ersten Vorstiegs-Gehversuche mit zusätzlicher Sicherung von oben machen.

Kletterarena - WettkampfwandEin besonderes Schmankerl für alle Nachwuchs-Hubers dürfte die stark überhängende Wettkampfwand sein: in Graden jenseits des Siebten darf man sich hier an Wettkampfrouten messen, die es wirklich in sich haben. Belohnt wird man dann mit dem exklusiven Magenzusammenziehen, wenn man sich in knapp zwanzig Metern Höhe ins Nichts setzen darf, das sich unter einem ausbreitet.

Angesichts der Wandhöhe und des Lärmpegels sollte man sich übrigens mit seinem Sicherer auch ohne Worte gut verstehen, da spätestens ab fünf Metern Höhe die Verständigung sonst gut trainierte Stimmbänder voraussetzt. Aber gut, die Dinger wollen auch trainiert sein…

Kinderfreundlich

Kletterarena - KinderhöhleEin guter Teil des Lärmpegels rührt nicht zuletzt daher, daß die Halle recht kinderfreundlich gestaltet ist, denn neben einer eigenen Kletterhöhle für die Kleinen bietet die alte Industrieanlage genug Platz, um auch mit dem Buggie ein paar Runden zu drehen. Deshalb sollte man beim Umherlaufen auch den Blick nicht nur stur nach oben lenken, sondern ab und zu auch auf den Boden schauen. Stehende Hindernisse hingegen werden eher nicht angefahren ;) Zur familiären Atmosphäre paßt auch, daß es offensichtlich niemanden stört, wenn an den eigentlich wohl zum Bistro gehörenden Tischen sein mitgebrachtes Vesper vertilgt oder seine Trinkflasche auspackt.

Fazit

Insgesamt eine interessante Halle mit einem besonderen Charme, den man allerdings erst dann so richtig geniessen kann, wenn man entweder 6er Routen sicher vorsteigen kann oder sich zu den geübten Boulderer zählen kann. Vorausgesetzt, man fühlt sich beim Gedanken an 19m hohe Toprope-Routen wohl, hilft es natürlich auch, wenn einer dabei ist, der das Seil hochlegen kann.

Autor: Frank
Stand: 09.2004