Impulsiv Sportcenter (Emmendingen)

„In Emmendingen kann man richtig klasse klettern, schaut doch mal vorbei!“ - so stand es jüngst in einer Email an uns. Ein Ausflug ins Badische? Na logo!Die Kletterhalle ist Teil des Impulsiv Sportcenters, das neben unser aller Lieblingssport auch eine Vielzahl anderer Sportarten anbietet – sogar eine Art Indoor-Hochseilgarten. Im Gegensatz zu manch anderem “Multifunktions-Center” hat man hier aber nicht den Eindruck, dass die Kletterei eine Nebenrolle spielt. Ganz im Gegenteil.

Auf dem Weg zur Umkleide fühle ich mich unweigerlich an eine kleine Burg erinnert – drei Treppen geht es rauf, jeweils unterteilt durch leicht winklige Gänge. Allenthalben erspähen wir schon bunte Griffe, und vor dem Fenster hängen drei Topropes der Außenanlage (die aber im Januar nicht mit Griffen versehen ist).

Luftige Höhen

Impulsiv Emmendingen - ÜberhangDer Eindruck bleibt auch bei einem ersten Rundgang bestehen: statt einer großen Fläche verteilen sich die Routen auf insgesamt vier Kletter- und zwei Boulderräume. Am imposantesten ist dabei sicherlich der neueste Teil der Anlage, der 17 Meter hohe Kletterturm: an zwei gegenüberliegenden Wänden ist hier Vorstieg (beinahe) pur geboten. Wer sich erst an die Höhe gewöhnen will, findet dazu auch zwei Toprope-Seile. Die Wandneigung reicht bei den Vorstiegsrouten von senkrecht über leicht bis hin zu stark überhängend, die Schwierigkeitsgrade vom leichten 5er bis in den 9ten Grad. Als Schmankerl gibt es eine Sintersäule, die sich mit leichtem Überhang die vollen 17 Meter hochschraubt – und im unteren sechsten Grad trotzdem auch von Nichtprofis zu bewältigen ist. Geklettert wird hier im einen Teil auf ebenen Verbund-, im anderen auf Strukturplatten.

Toprope in Hülle und Fülle

Etwas gemässigter geht es im zweiten großen Kletterbereich zu, durch den man die Kletteranlage auch betritt. In zwei nebeneinander gelegenen Räumen findet sich eine Vielzahl von Toprope-Routen in allen Graden. Durch die ca. 3 Meter breite Verbindung zwischen den Räumen führt ein Dach mit mehreren Winkeln, das auch den Trainierteren unter uns dicke Arme verspricht. Die Wandhöhe dürfte hier ca. 7-8m betragen, also ideal für alle, die sich im hohen Teil noch nicht so wohl fühlen.

Impulsiv Emmendingen - DachbereichDer gesamte Bereich ist mit Strukturplatten versehen, in der Mehrzahl vom Hersteller Reality Wall. Dieses System kommt Naturfels sehr nahe, und einige nachträglich ergänzte Minileisten sorgen nochmal zusätzlich für Stoff für ausgiebige “Trittübungen”. Sogar zwei Risse sind vorhanden, deren Routen sich aber naturgemäß in höheren Graden befinden. Kleiner Minuspunkt: Die Umlenkungen der Topropes erfolgen über dicke Stahlrohre, um die das Seil einmal komplett gewickelt ist. Das ist zwar super wenn der Kletterende ein paar Doppelwhopper zu viel genossen hat, aber bei leichteren Kraxlern läuft das Seil schon ziemlich schwer durch.

Den vierten Raum entdeckt nur, wer auch gerne mal dem seillosen Klettern fröhnt, und sich in die Boulderhöhle begibt. Hinter der ist nämlich ein weiterer, eher kleiner Raum, in dessen starkem Überhang nochmals ca. 10 Touren jenseits des Siebten zu finden sind. Wer hier keine böse Überraschung erleben will, sollte übrigens mit der französischen Wertungsskala vertraut sein, da für die Bewertungen hier im Unterschied zur restlichen Halle nicht die UIAA-Skala verwendet wurde.

Eine originelle aber ausgesprochen praktische Lösung ist die Art und Weise, wie die Routen definiert sind: Auf dem Boden sind rutschsicher farbige Zettel angebracht, die Farbe des Zettels entspricht der Routenfarbe. Fast jede Route kann in drei Varianten begangen werden: nur Inserts, nur Aufgeschraubt, oder Alles. Und tatsächlich sind die Touren so geschraubt, daß alle drei Varianten gut funktionieren. Dadurch ist die schwierigkeitstechnische Verteilung der Routen natürlich optimal.

Gurt aus und weiter gehts

Impulsiv Emmendingen - BouldereckDer eben bereits erwähnte Boulderraum befindet sich etwas versteckt unterhalb der Treppe zu den Umkleiden, und verteilt sich auf zwei Stockwerke. Beide “Etagen” sind so um die 50qm groß, mit kräftiger Wandneigung und weitflächigen Dachbereichen. Grifftechnisch findet sich hier naturgemäß viel von der Sorte “klein und gemein”, aber auch Einsteiger ins Bouldern finden zumindest im oberen Raum immer noch Halt. Etwas vermisst haben wir allerdings Boulder-Vorschläge, stattdessen muss man die eigene Kreativität walten lassen. Verbunden sind die beiden Etagen übrigens durch einen schmalen Gang, der hinter der unteren Wand entlang führt. Man muss also nicht den Umweg über die Treppe nehmen. Nach unten geht’s noch schneller, wenn man das Abseilpodest nutzt, das sich auch hier findet.

Wer dann beim Bouldern oder bei Meter 15,34 feststellen muss, dass Maximal- und Ausdauerkraft noch optimierungsbedürftig sind, der kann sich an Hackbrett, mehreren Campusboards und einem großflächigen Leistenboard vergnügen bis die Augen tränen.

Randbeobachtungen

Abgerundet wird der insgesamt gute Eindruck durch sinnvolle Details: in Bodennähe sind an zwei Stellen “Übungs-Exen” inklusive kurzem Seilstück angebracht, an denen man korrektes Klinken vorführen und üben kann. Die in der großen Halle verwendeten Umlenker sind ebenfalls mit den Füßen am Boden zu begutachten — was wir auch nur empfehlen können. Wer in luftiger Höhe mit dicken Armen erstmals versucht, das Seil in diese Vertreter ihrer Art einzufummeln, der könnte die Tour eventuell doch noch mit einem kleinen Sturz würzen. Ist das Seil aber erstmal eingefädelt, so kann es sich dafür aber auch garantiert nicht mehr aushängen. Für die Erholungspause zwischen zwei Routen bietet sich außerdem ausgiebig Lesestoff in Form von Aushängen zu allen möglichen Themen rund ums Klettern. Schade nur, daß man die nicht mit auf das ebenfalls vorhandene gemütliche Sofa nehmen kann. Leider nicht selbstverständlich und deshalb ebenfalls eine lobende Erwähnung wert ist der gute Zustand der Griffe. Sowohl in den “älteren” Routen als auch in den frisch geschraubten findet sich zumindest bei unserem Besuch kein “polierter” Griff.

Nach drei Stunden sitzen wir schließlich grinsend und mit Popeye-Unterarmen im gemütlichen Bistro, und stellen fest: der einzige echte Minuspunkt am Emmendinger Impulsiv ist, daß es viel zu weit von Stuttgart entfernt ist.

Autor: Frank
Stand: 01.2004