Freizeitcenter emka (Tübingen)
Das emka in Hirschau bei Tübingen bietet eigentlich alles, was man sich als Kletterer wünscht (ausser vielleicht ein paar Metern mehr Wandhöhe). Ohne Zweifel herausragend sind das ausgesprochen lange Dach und das elektronisch gesteuerte Bouldereck. Die Kletterwände sind in der Mitte der Halle in Form eines “L” aufgebaut, wobei das bekletterbare Dach die gesamte Fläche des Ls überdeckt. Die eigentlichen Hallenwände sind bis auf eine kleine Überhangswand nicht mit Griffen versehen, wodurch recht viel Platz verschenkt wird. Offensichtlich sind die Grundstückspreise in Hirschau deutlich niedriger als in Stuttgart.
Toprope
An der schmalen Seite des “L” finden die Anfänger etliche sehr leichte und fingerfreundliche Routen mit großen Griffen und fest angebrachten Toprope-Seilen. Da hier die Wand am niedrigsten ist, können auch Leute mit Höhenangst hier ihre ersten Kletterversuche unternehmen. Der Toprope-Bereich setzt sich noch ein Stück weit entlang der äußeren langen Seite fort (ca. 1/3 der Länge) bevor Vorstieg angesagt ist. Wer sich das noch nicht zutraut, findet an der gegenüber liegenden Überhangswand noch ein paar zusätzliche Toprope-Routen.
Vorstieg
Der Rest der Wand ist ganz klar für Vorstiegsfreunde gedacht. Ein eigenes Seil sollte man dazu mitbringen, die nötigen Expressschlingen sind fest an der Wand angebracht. Neben senkrechten Routen im Innenbereich finden sich auch etliche Routen, an denen die Wand mit Ausbuchtungen versehen ist, sowie drei verschieden starke Überhänge, die dann in die langen Dachrouten übergehen. Wer nicht gar so viel Power in den Armen hat, findet auch ein oder zwei Routen die das Dach in der kurzen Richtung durchqueren. Die Bewertungsvorschläge für die Routen findet man auf zwei eingeschweissten DIN A4-Blättern, von denen mehrere Kopien vorhanden sind und die man zum entsprechenden Wandteil mitnehmen kann. Die Zuordnung der Bewertungen zu den Routen erfolgt über an der Wand angebrachte Nummern, so dass man die passende Route leicht findet. Leider läßt die Genauigkeit der Bewertungen trotz der scheinbar feinen Abstufung (UIAA-Grade inkl. +/-) manchmal sehr zu wünschen übrig. So kann es vorkommen, dass man beispielsweise eine mit 6+ bewertete Route auf Anhieb hochrennt, während man bei einer 6- Route nicht einmal den Einstieg findet.
Bouldern
Eine Besonderheit der Halle ist das elektronisch gesteuerte Bouldereck. Auf den ersten Blick sieht die Boulderwand ganz normal aus, erst aus der Nähe fallen einem die Leuchtdioden auf, die neben jedem Griff angebracht sind. Über einen kleinen Computer kann man einen vorgegeben Boulder auswählen, drückt dann seinem Kletterpartner eine Art Fernbedienung (mit Kabel) in die Hand und folgt dann dem Licht. Über die Fernbedienung kann man die Route vorwärts und rückwärts durchgehen, wobei die Leuchtdioden jeweils den nächsten Griff markieren; für die Füsse hat man freie Auswahl. Damit sich mehrere Boulderer gleichzeitig austoben können, ist das Bouldereck in drei Bereiche unterteilt, wobei in jedem Bereich nur eine Route aktiv sein darf. Die drei Bereiche sind ausserdem unterschiedlich stark geneigt und auch ein Dach steht zur Verfügung, so dass man hier die nötige Technik für das große Dach einüben kann.
Wer sich darauf einlässt, hat die Auswahl zwischen zahlreichen Bouldern in vier verschiedenen Kategorien (”leicht”, “schwer”, “sehr schwer” und “extrem schwer”), wobei auch spezielle Kinderboulder für die Kleinen dabei sind. An sich ist die Idee mit der Steuerung eine feine Sache und echt weiter zu empfehlen, doch leider war die Boulderanlage bei unseren letzten Besuchen (Herbst 2001) in keinem sonderlich guten Zustand. Über die nach einem halben Jahr immer noch herumhängenden Papierzettel, die die Routen des emka Bouldercups markierten, könnte man noch hinweg sehen, auch wenn Papier bekanntlich ausgesprochen scharfe Kanten hat. Unangenehmer jedoch war, dass bei praktisch allen Bouldern der Kategorie “leicht” mindestens ein Griff fehlte. Daran änderte sich auch nichts, nachdem wir das Personal mehrfach sowohl auf die Zettel als auch auf die fehlenden Griffe hingewiesen hatten. Angesichts der Tatsache, dass zwischen unseren Reklamationen mehrere Wochen Abstand lag, lässt dies nicht gerade auf ein übertriebenes Interesse an der Boulderanlage schliessen. Das ist insbesondere deshalb schade, weil eben diese Anlage ansonsten ein echtes Highlight wäre, für das man auch mal eine längere Anfahrt in Kauf nimmt.
Fazit
Für diese Halle lohnt es sich durchaus, auch mal etwas weiter zu fahren, insbesondere falls die Boulderanlage wieder in Schuss gebracht sein sollte. Lediglich die Wandhöhe läßt etwas zu wünschen übrig und der Eintrittspreis könnte niedriger sein. Wer es sich dennoch leisten kann, auf den Rabatt zu verzichten, den man nach 21:00 erhält, sollte dies tun, da es um diese Zeit normalerweise schlagartig voll wird. Das ist dann zwar eine gute Gelegenheit, Leute kennen zu lernen, führt aber immer wieder zu Schlangestehen an den Routen.
Nachtrag (17.11.2002)
Nach über einem Jahr hat es mich mal wieder nach Tübingen verschlagen. Leider musste ich sagen, dass praktisch alles, was ich letzten Herbst geschrieben habe, immer noch zutrifft. Ein guter Teil der damals kritisierten Zettel im Bouldereck wurden zwar zwischenzeitlich entfernt, aber bei weitem nicht alle. Schlimmer finde ich jedoch, dass auch dieses Mal bei allen Bouldern, die wir probierten, Griffe gefehlt haben. Der Fairness halber muss ich dazu sagen, dass wir nur wenige Boulder angeschaut haben, da uns die Lust an der Steuerungsanlage schnell verging.