Eigernord (Freiburg)

Petrus ist an diesem Wochenende mal wieder sauer auf die Kletterer. Und die Kletterer auf Petrus. Aber wegen ein bißchen (viel) Regen auf’s Klettern verzichten? Nö, kommt gar nicht in die Tüte. Also ab ins Auto, und nach knapp zwei Stunden Autofahrt stehen wir vor der Eigernord-Halle in Freiburg.Beim Betreten klappt dann erstmal die Kinnlade nach unten – und der Blick wandert nach oben. In 15 Metern Höhe erreicht er schließlich die Umlenker, und angesichts der Routen dazwischen macht sich ein Grinsen breit. Auf einer Kletterfläche von 1080 m2 verteilt sich eine Vielzahl von Routen, alleine 28 davon Toprope. Das Sahnehäubchen für Extremisten bildet der Dachbereich, dessen Touren allerdings naturgemäß alle jenseits des 7ten Grades liegen. Wer wirklich mal wissen will, wie es um seine Ausdauer steht, hat hier die Möglichkeit ca. 20 – 25 Meter Dach hinter sich zu bringen (+ 15 Meter ablassen, ein 50 Meter Seil sollte es also schon sein! ;-) )

Toprope

Also flugs in den Umkleideraum, Kletterklamotten an, Wertsachen in den Spinden deponiert, und auf geht’s zum Aufwärmen erstmal in den Toprope-Bereich. Die dort eingehängten Seile machen einen guten Eindruck, und auch die Touren sind ok. Schön ist, daß sowohl absolute Neueinsteiger als auch routiniertere Kletter in diesem Bereich reizvolle Touren finden. Ein Absatz in zwölf Metern Höhe bietet zudem die Gelegenheit, auch mal den Standplatzbau und dergleichen zu üben. Einziger Wehrmutstropfen: wie so oft ballen sich in diesem Bereich ca. 75% der anwesenden Kletterer, so daß sich Wartezeiten nicht immer vermeiden lassen.

Vorstieg

Besser sieht es da schon im mittleren Bereich aus, der ebenso wie der rechte Hallenteil nur im Vorstieg zu begehen ist. Hier finden sich Routen im mittleren Bereich der UIAA Skala von 5 aufwärts, und im Gegensatz zu den anderen beiden Bereichen auch gut ausstrukturierte GFK-Platten.
Wer bisher primär in kleineren Hallen unterwegs war tut gut daran, sich erstmal eine Tour im unteren Wertungsbereich zu geben. Sonst könnte es passieren, daß nach 12 Metern der gute Vorsatz gefällt wird, mehr für die Kraftausdauer zu tun – und intensives Falltraining einsetzt.

Der rechte Bereich der Halle ist eher für die Hardcore-Kletterer interessant. Hier beginnt das “Vergnügen irgendwo jenseits des siebten Grades in zunehmend starken Überhängen, die letztlich in die eingangs erwähnten Dachrouten übergehen.

Bouldern

Am Ende dieses kleinen Rundgangs findet sich zuguterletzt auch für Boulderfreunde ein eigener Bereich, der aber im Vergleich zum Rest der Halle etwas abfällt. Einmal mehr fehlen vordefinierte Probleme, die einen Anreiz bieten, sich die Arme nochmal so richtig aufzupumpen. Trotzdem macht die Boulderei in dem höhlenartigen Bereich Spaß, solange sich nicht mehr als drei Akrobaten gleichzeitig dort aufhalten.

Wer sich zwischen den Touren etwas auffrischen will, findet an einer kleinen Theke im Eingangsbereich Gelegenheit dazu. Leider sind die Sitzgelegenheiten sehr begrenzt, und wem der Magen knurrt, der weicht dann doch besser auf eine Pizzeria in Freiburgs Innenstadt aus.

Fazit

Insgesamt ist unser Eindruck sehr positiv. Seile und Griffe sind in gutem Zustand, die Touren abwechslungsreich, und schon durch ihre Länge eine angenehme Abwechslung zu anderen Hallen. Ein etwas größerer Boulderbereich sowie etwas mehr Ambiente im Thekenbereich, und die Eigernord hätte das Prädikat “Rundum gelungen” verdient. Da kann Petrus ruhig weitergrollen.

Autor: Frank
Stand: 04.2002