Art of Climbing (Karlsruhe)
Das Art of Climbing ist im Stadtteil Waldstadt gelegen, und erfreulicherweise sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: Die Stadtbahn hält praktisch vor der Haustür. Aber auch Autofahrer finden mehr als ausreichende Parkplätze vor. Gleich beim Betreten erleben wir eine (zumindest für uns als Besucher) eine weitere sehr positive Überraschung: Außer uns tummeln sich gerade einmal noch sieben andere Kletterer in der Halle, für einen grauen Samstag Mittag eigentlich erstaunlich. Wir freuen uns aber einfach, und steigen gleich in die erste Route ein.
Kletterwände
Grob kann man den Kletterbereich des Art of Climbing in vier Hauptbereiche aufteilen, die sich alle in einem großen Raum verteilen. Vom Eingang aus gesehen folgen nacheinander ein Einsteigerbereich mit vielen Topropes und zwei Abseilpodesten, ein gemäßigter senkrechter Teil, der optisch dominierende Wettkampfbereich und zuguterletzt etwas abgesetzt an der gegenüberliegenden Wand ein weiterer kleinerer Kletterbereich. Strukturplatten sucht man leider weitestgehend vergeblich, stattdessen kommen die weitverbreiteten ebenen Platten des Dimoli-Systems zum Einsatz.
Letzterer vierter Wandteil bietet Routen in Graden zwischen 4 und 7+, und liegt damit im Mittelfeld des gebotenen Spektrums. Die ersten Touren laufen gut, und die Routenwertungen sind reell und damit eine gute Hilfe bei der Auswahl. Ein besonderes Schmankerl sind Touren mit dem Hinweis “Technisch” — dieser Zusatz schien uns so eine Art “Prädikat: besonders wertvoll” zu sein. Mit purer Kraft und Leiterstil kommt man in diesen Touren garantiert nicht ans Ziel.
Wir wenden uns als nächstes dem Wettkampfbereich zu: 12 Meter hoch und stark überhängend finden sich hier Routen vom 6er aufwärts — der Löwenanteil ist allerdings eher jenseits der 7 angesiedelt. Spaß macht’s allemal, und spätestens hier freut man sich dann am Routenende auch über die doppelten Umlenker: Überall finden sich nämlich jeweils eine Expressschlinge mit Schrauber und ein “normaler” Haken. So können alle Routen sowohl im Vorstieg und auch im Toprope begangen werden (soweit sich jemand findet, der einem die 9+ einhängt).
Bliebe noch der Bereich zwischen Einsteiger- und Profibereich. Und genau so fühlt er sich auch an: Ebenfalls im Bereich zwischen 4 und 7 finden sich hier Routen mit und ohne Toprope.
Uneinheitliche Routenmarkierungen
Wo viel Licht ist, ist immer auch ein wenig Schatten. Im Falle des Art of Climbing sind das die Routenmarkierungen: Leider ist das Schrauberteam scheinbar von den ursprünglichen Bewertungsschildern abgekommen, die sich nur noch vereinzelt finden. Stattdessen finden sich mehrere Variationen von Routenmarkierungen, vom handgeschriebenen Zettel bis zu aufwendig gemachten Schildern. Glücklicherweise gibt es auch eine Übersicht über sämtliche Sektoren, die Ihr an den Aushängen bei der Aufsichtskabine findet.
Bouldern
Auch an die Freunde der vertikalen Yoga-Übungen wurde gedacht, und freundlicherweise ist der hiesige Boulderraum auch ein ebensolcher, nämlich ein vom restlichen Kletterbetrieb getrennter Raum. Eine zentrale Säule und eine Seitenwand bieten Bouldereien von 1c bis jenseits der 5a, inklusive einigen Metern Dächle.
Die angebotenen Boulder sind knackig, aber angesichts von Griffen jeder Größe und Griffigkeit findet man als Gelegenheitsboulderer genügend Probleme - so man sie sich denn selbst stellt. Die vorhandenen Vorschläge haben nämlich zwei Haken: Erstens sind sie relativ happig, was zugegebenermaßen in der Natur der Sache liegt. Zweitens ist aber vor allem die Art der Markierung recht unpraktisch. Der Startpunkt ist mit einem Pfeil aus farbigem Tape versehen, und alle Folgegriffe (und Tritte?) dann mit einem weiteren kleinen Stück Tape der gleichen Farbe. Ein Spotter ist hier schlicht obligatorisch — zur Ansage des nächsten Trittes. Denn auch bei denen ist die Markierung unterhalb angebracht.
Wer aber entweder ein gutes Gedächtnis hat, oder sich wie wir einfach eigene Probleme stellt, der kann sich auf den paar Quadratmetern gewaltig die Finger verknoten. Uns gehen aber so langsam die Kräfte aus, und so robben wir mit tränenden Augen und dickem Grinsen die paar Meter in die Umkleiden. Während wir uns für die Heimfahrt fertig machen, ziehen wir nochmal kurzes Resümee: von den Routenmarkierungen abgesehen bietet das Art of Climbing Kletterspaß pur. Egal ob Einsteiger oder langjähriger Kletterer, jeder sollte hier Touren nach seinem Geschmack finden. Die Routen sind abwechslungsreich geschraubt, und teilweise technisch recht anspruchsvoll. Erfreulich ist, daß auch kleinere Kletterer durchaus eine Chance haben, schwerere Routen zu durchsteigen, da sich die Schwierigkeiten nicht ausschließlich über die Zuglängen definieren.