Klettergarten Stetten

“Das da muss der Weg sein!” Diese Worte gepaart mit einer Anfahrtsskizze eines Topos leiten nicht selten ein sehr intensives Aufwärmen vor einem Klettertag ein. Es scheint eine Art Naturgesetz zu sein, daß diese ‘Hilfsmittel’ eigentlich nur dem Orientierung geben, der den fraglichen Weg bereits kennt. Daher ein Tip für Alle, die auch vom Sängerheim zum Klettergarten Stetten wollen: es ist der geteerte Weg, der an den Weinbergen entlang führt. Der Anmarsch ist dann in moderatem Tempo in circa fünfzehn Minuten erledigt, und ihr steht vor den ungefähr 40 Routen des Stettener Klettergartens.

Überschaubare Höhen

Verglichen mit den Felsen der schwäbischen Alb sind die 8 Meter hohen Routen des ehemaligen Steinbruches zunächst nicht sonderlich beeindruckend. Besonders für Freunde der höheren Schwierigkeitsgrade ist hier wenig zu holen. Weitaus interessanter ist diese Kletteranlage für diejenigen unter uns, die erste Erfahrungen mit dem Klettern an echtem Fels machen wollen. Gilt es andernorts, zunächst mal eine Tour im Vorstieg ‘hochzuzittern’, um ein Toprope einzuhängen, so erledigt man das in Stetten ganz bequem - über eine Treppe! Über diese gelangt man auf eine Plattform oberhalb der Touren, und kann sein Seil bequem an einem der vielen Umlenker einhängen. Zwar empfiehlt es sich, einige Bandschlingen mitzubringen, und umlenken sollte man auch im eigenen Schrauber. Aber verglichen mit beispielsweise dem Wiesfels bei Reutlingen, der ja auch sehr beliebt unter ‘Frischlingen’ ist, ist das Absichern einer Route in Stetten ein Kinderspiel. Es ist auch genug Platz für mehrere Personen, ideal also um sich als Gruppe von einem erfahreneren Kletterer/in in dieses heikle Thema einweisen zu lassen.

Topropen ist also kein Problem. Vorstieg eigentlich auch nicht — nur findet sich auch in Stetten die typisch deutsche Klettermentalität: so wenig Haken wie irgend möglich. In den einfachen Routen heisst das ein Haken und ein Umlenker. Mal abgesehen davon, dass für einen Anfänger ein ‘Vierer’ durchaus eine Herausforderung ist, frage ich mich immer wieder, wo eigentlich sollen die Leute das Klinken lernen? Dann wenn’s drauf ankommt, und ein Fehler fatale Folgen hat? Kurz gesagt, auch Vorstieg ist in Stetten möglich, wer’s aber wirklich sicher lernen will, macht seine ersten Schritte besser im nahegelegenen Korb.

Breit gefächerte Schwierigkeiten

Ungefähr ein Drittel der Routen ist auch von absoluten Anfängern zu bewältigen, die Schwierigkeit dürfte bei maximal 4- liegen. Alle diese Routen liegen im mittleren Bereich des Steinbruchs. Heftiger geht es im linken und rechten Bereich der Wand zu. Die Schwierigkeitsgrade gehen hier bis circa in den 9. Grad. Einem entspannten Klettern in den höheren Graden steht allerdings die Tatsache entgegen, dass die gesamte Wand recht kräftig eingespeckt ist - an mancher Schlüsselstelle erinnert die Felsstruktur eher an feinsten italienischen Marmor.

Ein weiterer Nachteil ist sicherlich, daß der Stettener Klettergarten mit fünf sechs Seilschaften schon an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Da sich in aller Regel das Hauptinteresse auf die Routen im vierten bis sechsten Grad konzentriert, ist dann schon mal Anstehen angesagt.

Um Rücksicht wird gebeten

Andererseits ist die Anlage sehr familienfreundlich, und vor einem Regenschauer/Sonnenstich schützt eine recht große, zur Kletterfläche hin offene Hütte. Aber eine Bitte an kletterbegeisterte Eltern: haltet Euren Nachwuchs etwas im Zaum. Bei unserem Besuch tobten einige Kids sowohl unterhalb als auch oberhalb der Routen herum. Mal abgesehen davon, dass Geschrei und herunterfallende Steine beim Klettern irritieren, sind acht Meter im freien Fall mehr als genug, um sich alle Knochen zu brechen. Ein solcher (Vor)fall dürfte ruckzuck die Schliessung der Anlage bedeuten, und das kann eigentlich niemand ernsthaft wollen, oder?

Der Klettergarten wird übrigens von der DAV-Bezirksgruppe Remstal gepflegt, der die Klettergemeinde nur für diese schöne Anlage danken kann. Speziell für Kurse und Ausbildungen kann man sich kaum idealere Bedingungen wünschen. Apropos: wer mit einer Klettergruppe oder einem Kurs einen Besuch in Stetten plant, muss dies zuvor beim DAV anmelden. Eine Kontaktadresse sowie eine Anfahrtskizze ist beim alpenverein-stuttgart.de zu finden.

Die DAV-Bezirksgruppe hat uns gebeten, deutlich darauf hinzuweisen, dass beim Aufenthalt im Klettergarten keine Lagerfeuer gemacht werden dürfen und Kinder beim Aufenthalt im angrenzenden Waldgrundstück (Jagdhütte des Jagdpächters) auf jeden Fall zu beaufsichtigen sind. Dieser Bitte kommen wir selbstverständlich gerne nach. Für den Betrieb des Klettergartens ist die Bezirksgruppe auf das gute Verhältnis mit dem Jagdpächter angewiesen, so dass die Einhaltung dieser Regeln im Eigeninteresse der Kletterer liegen sollte.

Autor: Frank
Stand: 06.2003