Boulderpark Bad Dürrheim

Leicht zu finden ist er ja nun gerade nicht, der im Herbst 2004 neu eröffnete Boulderpark in Bad Dürrheim. Damit ihr nicht wie wir erstmal eine kleine Stadtrundfahrt machen müsst, hier ein kleiner Tip: Folgt den Schildern zum “Narrenschopf”. Das ist ein Museum für Fasnachtskostüme, und der Sport- nebst Boulderpark ist direkt daneben.

Als wir zu unserem Besuch eintreffen sind die Vorzeichen eher mau. Neben den erwähnten Anreise-Schwierigkeiten gibt auch Petrus Grund zum Grummeln: Regengrauer Himmel begrüßt uns statt der vom Wettervogel versprochenen Sonne. Und so fällt auch die erste Reaktion beim Erblicken der Anlage eher ernüchternd aus: Das soll alles sein? Zwei Granit-, drei Sandsteinblöcke und eine künstliche Kletterwand, die man zudem nur nach Voranmeldung nutzen kann?

So leicht lassen wir uns aber nicht abschrecken. Nach einer kurzen Inspektion wird ein Großteil der Boulderfläche als akzeptabel trocken identifiziert, und auch der Kampf feuchter Kletterschuh versus gleich feuchtem Fuß kann positiv abgeschlossen werden. Und siehe da, soooo ohne sind die fünf Steinblöcke gar nicht.

Die beiden ca. 180 cm hohen Granitblöcke sind sowohl für Einsteiger geeignet, als auch mit etwas Fantasie für fortgeschrittenere Verrenkungskünstler. Wer’s nicht glaubt versuche mal, den niedrigeren der beiden komplett zu umrunden — natürlich bleibt dabei alles außer den Grabschern unterhalb der Kante des Blocks. Auch Gleichgewichtsübungen kann man gut veranstalten: Ohne die Hände zu benutzen kommt man auf beide Wacker, teils auch von unterschiedlichen Seiten.

Weiter geht’s zu den allesamt über zwei Meter hohen Sandsteinblöcken. Der höchste bringt es gar auf etwas über drei Meter, also gerade noch so in Absprunghöhe. Freundlicherweise ist jeder Stein mit mehr oder minder tiefen Kerben versehen, so dass es immer eine stabile “Abkletterpiste” gibt. Wer nicht gerade die nutzt sondern stattdessen die verbleibenden drei Seiten, der kann sich durchaus knackige Probleme zusammendefinieren. Bouldervorschläge gibt es nämlich — zumindest momentan — noch keine. Gerüchten zufolge sind in dem Quintett aber über 40 Probleme versteckt. Und dank der recht bröckligen Konsistenz sind die auch einem steten Wandel unterworfen. ;-)

Aber keine Sorge: Sollte deshalb mal ein Move abrupter als geplant enden, fängt Euch weicher Rindenmulch sanft auf. Bei den Granitblöcken muß dagegen Kies reichen, dort ist die Fallhöhe ja aber auch stark begrenzt.

Mittlerweile hat Petrus eingesehen, dass denen da unten nicht mehr zu helfen ist, und sie schon gar nicht vom Klettern abzuhalten sind — also schaltet er die Beleuchtung wieder auf Maximum. Ruckzuck ist der Stein trocken, und unsere Kehlen auch. Wenn’s Euch bei Eurem Besuch genauso geht, hier ein kleiner Tip: hinter den Büschen gegenüber versteckt sich ein Tennisplatz samt Kiosk, an dem die 07er Flasche Sprudel für einen Euro zu haben ist.

Zu der künstlichen Kletterwand gibt’s eigentlich nicht viel zu sagen. Circa zehn Meter hoch ragt der Hauptturm nach oben, flankiert von einer etwa fünf Meter breiten Boulderwand. Letztere eignet sich eher zum Ausprobieren, eine Einladung der kaum ein vorbeikommendes Kind widerstehen konnte. Man darf wohl darauf warten, dass so ein Probeklettern mal schief geht, denn auch der besagte Hauptturm ist in keiner Weise nach oben gesperrt. Und so gehören leicht hilflose Eltern, die ihre Sprösslinge “aus der Wand reden” müssen, schnell zum gewohnten Bild.

Interessanterweise kann man den Turm nicht nur zum Klettern vor Ort buchen, sondern auch mieten. Zwar ist das mit Ab- und Aufbau ein recht teures Vergnügen, aber für manche Veranstaltung sicher eine tolle Bereicherung. Details finden sich auf der Rückseite des Turms.

Als wir nach gut drei Stunden wieder von dannen ziehen fällt unser Resumee recht positiv aus. Sicherlich werden Verrenkungsprofis über die Möglichkeiten des Boulderparks eher lächeln. Aber für die ist die Anlage wohl auch kaum gedacht. Wer dagegen mal in die Welt des Felsbouldern reinschmecken möchte, der findet in Bad Dürrheim eine feine Gelegenheit. Als Bonus gibt’s gleich wettkampfmäßiges Feeling durch das anwesende Publikum, das sich aus den Spaziergängern des Kurparks rekrutiert. Und einen Luxus, den man so wohl kaum nochmal findet: Das Solemar-Bad ist nur wenige Meter entfernt, und bietet mit seinen warmen Becken und Massagedüsen geplagten Gliedern einen wohligen Tagesausklang.

Autor: Frank
Stand: 08.2004